Juli 30, 2020 by Peter Hansen

Komplexität war das zentrale Thema der Keynote von Invidis Consulting beim Digital Signage Summit (DSS) Europe, der im Juli als Digital Signage Summit - The Show online stattfand. COVID-19 stellt einen in der Branche noch nie dagewesene Rahmenbedingung dar, und Digital Signage wird von diesen Winden genauso durchgeschüttelt wie jede andere AV-Lösung. Eigentlich ist Digital Signage ja eine personengebundene Technologie, die somit in unsere derzeit dezentralisierten Umgebung keinen hohen Investitionsanreiz darstellt. Doch wie Invidis Geschäftsführer Florian Rotberg und Partner Stefan Schieker erklären, ist Digital Signage auch formbar, vielseitig einsetzbar und in diesen turbulenten Zeiten außergewöhnlich gut geeignet, ein Teil der Lösung zu sein.

Zweistellige Rückgänge bei Digital Signage erwartet, bevor das Wachstum wiedereinsetzt

Umsatzdiagramm für Digital Signage-Lösungen | AVIXA Trotz Umsatzrückgängen in diesem Jahr wird der Umsatz mit Digital Signage-Lösungen laut IOTA bis 2025 voraussichtlich 43 Milliarden US-Dollar erreichen..
Die AVIXA® Industry Outlook and Trends Analysis (IOTA) zeigt, dass Digital Signage in diesem Jahr einen Umsatz von 31 Milliarden US-Dollar ausmacht, was 13% des Gesamtumsatzes der AV-Branche von 239 Milliarden US-Dollar entspricht. Dieser Umsatz ist gegenüber 2019 um 11% zurückgegangen, aber der Rückgang wird durch eine 5-Jahres-Prognose des jährlichen Gesamtwachstums von 6,6% ausgeglichen, die den Umsatz der Lösung bis 2025 auf 43 Milliarden US-Dollar anhebt.
 
Auch Invidis erwartet einen signifikanten Rückgang der europäischen Digital Signage-Einnahmen in diesem Jahr, der eine große Bandbreite an Szenarien umfasst, die von einem Rückgang um 10%, wenn sich die Dinge von nun an wirklich reibungslos entwickeln, bis hin zu einem Rückgang um 30%, wenn eine zweite Welle eintrifft und erneut weitreichende Lockdowns verhängt werden müssen, reichen. Innerhalb dieser Spanne hält Invidis derzeit einen Rückgang von 15 bis 18% für am wahrscheinlichsten. Dies deckt sich mit der IOTA-Prognose für Europa, die einen Rückgang von 13% vorhersagt.
 
Die Verluste in diesem Jahr sind für die Digital Signage-Branche besonders schockierend, da diese seit ihrer Gründung ein ununterbrochenes Wachstum verzeichnet. Invidis berichtet, dass einigen Unternehmen das Ende droht. Für kleinere Unternehmen, die nur an ein oder zwei vertikale Märkte gebunden sind - insbesondere vertikale Märkte wie Transport und Gastgewerbe - könnten die Einnahmen völlig zusammenbrechen. Nicht alle Unternehmen werden dieses Jahr überleben.
 

Die Erholung der Digital Signage wird je nach Erholung der Märkte unterschiedlich verlaufen.

Obwohl Invidis viele positive Anzeichen für die Branche sieht, betont das Beratungsunternehmen, dass dies erst der Anfang der Krise sei. Die Geschäfte beginnen wieder zu laufen, sich zu erholen, aber dieser Prozess wird langsam verlaufen. Für Rotberg und Schieker wird die Erholung eher die Form des als Swoosh bekannten Nike-Firmenlogos als die eines V annehmen. Alle sind sich einig, dass der Rückgang schnell war, aber Invidis erwartet eher eine lange, langsame Erholung als eine schnelle Rückkehr zum ursprünglichen Zustand.
 
Auch wenn Digital Signage insgesamt eine Swoosh-Form aufweist, gehen Rotberg und Schieker davon aus, dass die Auswirkungen von COVID-19 je nach Segment sehr unterschiedlich sein werden. Im Bildungs- und Gesundheitswesen bleibt die Nachfrage hoch, während sich Bekleidung und Restaurants nach der Pandemie langsamer erholen werden. In fast allen Segmenten ist mit ausgeprägten langfristigen Veränderungen zu rechnen.

Auswirkungen von COVID-19 - Szenarien & Folgen | INVIDIS Die Erholung wird laut Invidis je nach dem bedienten Marktsegment unterschiedlich aussehen.

IT stellt eine weitere Quelle des Wandels dar. Invidis merkt an, dass die IT-Integratoren auf dem europäischen Markt größere Unternehmen sind als ihre AV-Pendants, was ihnen große, professionelle Teams zur Bearbeitung von Ausschreibungen ermöglicht. Ihr Markteintritt drückt die Margen, motiviert zur Konsolidierung und zwingt die Marktteilnehmer aus dem AV-Bereich zur Anpassung.
 
Letztendlich wird die derzeit stattfindende Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben, da die Käufer einfach weniger Mittel haben, die sie für alle Lösungen ausgeben können. Dadurch werden Marktsegmente auf breiter Front schrumpfen. Die jüngste Macroeconomic Trends Analysis von AVIXA hat deutliche Hinweise darauf gefunden, dass das Kaufverhalten und die Kaufpräferenzen der Verbraucher und Unternehmen nach dem Ende der Pandemie dem vor dem Ausbruch der Pandemie sehr ähnlich sein werden. Die Welt ist widerstandsfähig, und langfristige Veränderungen werden gedämpfter ausfallen, als es im Augenblick den Anschein haben mag.
 
Digital Signage-Technologie und -Inhalte schreiten weiter voran
So viele negative Nachrichten es für Digital Signage auch gibt, so sehr gibt es auch viel Positives zu berichten. Die Experten von Invidis heben diese Zeitspanne als Katalysator für Veränderungen hervor. Die Herausforderungen von COVID-19 zwingen Unternehmen dazu, kreativ und intelligent zu werden.
 
In technologischer Hinsicht hob Invidis die Verbreitung von KI-Anwendungen, den Aufstieg von Chip on Board (CoB) und die Tatsache hervor, dass Samsung den Schwerpunkt auf LCD legt und LG in OLED investiert. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf KI, die sie als Plattform für fast jeden großen Trend sehen. KI gibt Maschinen Augen, Ohren und eine Stimme. Ihre vielleicht wertvollste Fähigkeit ist ihre Erkenntnisfähigkeit, da sie Empfehlungen dazu geben kann, was Verbraucher am meisten wünschen.
 
Die von COVID-19 in Gang gesetzten Veränderungen gingen über die rein technologische Seite der Digital Signage-Branche hinaus. Die Marktbereinigung in der Branche treibt weitere Fusionen und Übernahmen voran. Invidis hob das Private Equity unterstützte Unternehmen M-Cube: Digital Engagement als einen besonders aggressiven Käufer in den letzten Monaten hervor.
Signage-Inhalte verändern sich ebenso wie die Technologie dahinter. Invidis stellt drei Formen der Kommunikation heraus, die in der COVID-Ära üblich sind:

  • Compliance-Kommunikation - mit Erläuterungen zu den verbindlichen Sicherheitsrichtlinien;
  • Wohlfühlkommunikation zur Wiederherstellung der Kaufstimmung, einschließlich Aussagen wie "Wir kümmern uns um Sie" und "Wir tragen Masken und reinigen alle Oberflächen"; und
  • Emotionale Kommunikation mit Gefühlen wie "Schön, Sie wiederzusehen", "Wir haben Sie vermisst" und "Kaufen Sie vor Ort, retten Sie Arbeitsplätze".

Letzteres ist von besonderem Interesse, da dies auf dem europäischen Markt zuvor eine ungewöhnliche Form der Kommunikation war, da hier häufiger ein formellerer Umgangstun zwischen Unternehmen und Verbrauchern herrscht.
 
Die Komplexität und die Schrumpfung des Markes führen dazu, dass dies für Unternehmen eine anstrengende Zeit ist. Obwohl es sich bei Digital Signage um eine persönliche Technologie handelt, ist sie eher Teil der Lösung als des Problems. Starke Kräfte sind mit im Spiel, aber es gibt Chancen für Unternehmen, die bereit sind, sich anzupassen und den neuen Bedürfnissen inmitten der Turbulenzen gerecht zu werden.

"Die Verluste in diesem Jahr sind für die Digital Signage-Branche besonders schockierend, da sie seit ihrer Gründung ein ununterbrochenes Wachstum verzeichnen konnte."


About Peter Hansen

Als Wirtschaftsanalyst bei AVIXA ist es die Aufgabe von Peter Hansen, zu verstehen, wie der professionelle AV-Sektor mit der Gesamtwirtschaft interagiert.
Peter bringt für diese Aufgabe datenfokussiertes Fachwissen und eine Leidenschaft für kritische Analysen mit. In der Vergangenheit hat er für das Federal Reserve Board, das Aufsichtsgremium der US-Notenbank gearbeitet und seine Beiträge wurden in RealClearMarkets, Finance and Economics Discussion Series und The Atlantic veröffentlicht.

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